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Gesangsunterricht in Coronazeiten

Plötzlich war die letzte Gesangsstunde im Präsenzunterricht für die Maturandinnen da. Völlig unerwartet. Wir mussten schnell eine andere Lösung finden, denn Mitte März dachten wir noch, die Gesangsmatur anfangs Juni würde stattfinden. Wie andernorts auch, haben wir es sofort mit Fernunterricht - meist per Skype - versucht. Siehe da: Das ging gar nicht so schlecht! Also konnte diese Art von Unterricht auch für Schülerinnen und Schüler der anderen Klassen übernommen werden.

 

Natürlich gab und gibt es ab und zu Probleme mit der WLAN-Verbindung. Auch die Qualität der Mikrofone ist sehr unterschiedlich und bei der Klangqualität muss man generell Abstriche machen. Das macht differenziertes Hören manchmal schwierig. Ausserdem hält sich derzeit meist die ganze Familie zuhause auf und alle, auch die Nachbarn, hören mit. Vielleicht stört man gar die Arbeit im Home-Office? Das ist für viele eine sehr herausfordernde Situation!

 

Es gibt aber auch wirklich Positives. Lea Bläsi meint dazu: „Durch den Online-Unterricht habe ich gelernt, besser in mich hinein zu hören und zu -fühlen. Ich spüre eher, wenn eine Stelle besser klappen könnte aber auch, wenn sie gut geklappt hat. Da ich allein auf der anderen Seite des Bildschirms stehe, bin ich stärker gefordert, selbst etwas zu finden, das ich verändern kann. Denn durch die Ton-Übertragung geht einiges verloren. Dies hilft mir wiederum zu bemerken, wo ich voll konzentriert war und bei welchen Stellen es mehr Einsatz meinerseits braucht. Ausserdem konnte ich durch das A cappella-Singen meine Intonation verbesssern.“

 

Die Schülerinnen und Schüler müssen im Fernunterricht mehr Selbständigkeit entwickeln. Das ist auf jeden Fall zu begrüssen. Allerdings ist es auch schwierig. Besonders dann, wenn zuvor erst wenige Gesangsstunden stattgefunden haben.

 

Die zeitliche Verzögerung verunmöglicht es, im Online-Unterricht Schülerinnen und Schüler am Klavier zu begleiten. Gemeinsames Musizieren ist daher unmöglich. An einer möglichst frei schwingenden Stimme in einem energetisch gut ausbalancierten Körper, am Ausdruck und der musikalischen Gestaltung kann man, bis zu einem gewissen Grad, jedoch auch so sinnvoll arbeiten. Auch das Einstudieren von neuen Stücken, die wir dann im Präsenzunterricht nochmals vertieft anschauen werden, ist gut möglich.

 

Erstaunlich ist, dass einzelne Schülerinnen und Schüler durch die Fokussierung auf den Bildschirm sogar wesentlich konzentrierter sind als im normalen Unterricht. Trotzdem, wir freuen uns auf den Präsenzunterricht! Interaktion ist im Online-Unterricht absolut unmöglich und ein enorm wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Auch auf die klangliche Verfremdung können wir bestens verzichten. Die positiven Erfahrungen dieser Zeit aber wollen wir mitnehmen.

 

Text: Lea Bläsi, Nina Bärtsch und Martina Fausch
Foto: Lea Bläsi